Esmeralda ist von uns gegangen

Esmeralda

Unsere chinesische Weichschildkröte Esmeralda war viele Jahre eine der Attraktionen unserer Schule. Ihr lederartiges Äußeres und ihre lange Nase fielen vielen Besuchern des Tages der offenen Tür sofort auf. Als Jägerin zeichnete sie sich durch ein recht eigenes Verhalten aus. Alle möglichen Gegenstände zur Gestaltung des Terrariums waren ein beliebtes Ziel verschiedener Schiebe-, Wühl- und Beiß-Aktionen und daher nur für kurze Zeit intakt.

Dort wo sie nicht durchkam, versuchte sie es ohne Unterlass. Sie schob und drückte so lange, bis der Platz entstand, den sie sich wünschte. Pflanzen waren daher immer im Weg und überlebten nur für Stunden. Erdhügel wurden in kurzer Zeit planiert, auch wenn dadurch das geliebte Wärmebaden unter einer speziellen Lampe nicht mehr möglich war. Bei Wasserheizungen waren es nur Tage, bis sie zerstört waren, obwohl das Wasser nun nicht mehr so schön warm war. Oft verstanden Zuschauer den Sinn dieses Treibens nicht, aber Esmeralda war charakterfest und es war ihr wohl egal, was andere darüber dachten

Als Folge ihrer Merkwürdigkeiten ging unter den Schülern hartnäckig das Gerücht herum, dass sie einem Geschlechtspartner den Kopf abbiss und frechen Schülerfingern ähnliches drohte. Esmeralda genoss daher allseits Respekt.

Ihre Aggressivität war angeboren und arttypisch. Und so machte Sie deutlich, dass Tiere anders sind als Menschen und eigene Bedürfnisse haben.

Im Lauf der Jahre fanden sich immer wieder Haeckel-Schüler, die sich mit ihrem spröden Charme anfreundeten, mit ihr Jagen spielten, sie für eine Zeit pflegten und ihr überzählige Guppys ins Becken setzten. Solche Tage genoß sie mit sichtlichem Interesse, konnte sie nun das tun, was sie am besten konnte: Jagen.

Esmeralda lebte lange bei uns. Ich habe sie 9 Jahre betreut, an der Schule war sie aber länger. Es werden wohl 15 oder noch mehr Jahre gewesen sein.

M. Grunenwald, 10.3.2010